Mamma Mia Marschal

Mamma Mia Marschal

Antenne Düsseldorf à la Carte

Unsere Morgenfrau Tanja Marschal macht den Restaurant-Check und testet Restaurants auf Herz und Nieren. Wie es geschmeckt hat, erfahren Sie regelmäßig bei Antenne Düsseldorf. Das Fazit gibt es natürlich hier zum Lesen und Hören im Blog zu Mamma Mia Marschal.

Das El Greco-Menü im MELIA Düsseldorf

Seit der Nacht der Museen blickt die internationale Kunstwelt auf Düsseldorf. Genauer gesagt auf ein Haus, das die Brust gerade wie King Kong herausstreckt, mit den Fäusten darauf herum trommelt und sagt: “Seht her! Wir haben sie!” Ja. Respekt! Die Bilder von El Greco im Museum Kunst Palast. Eine außergewöhnliche Ausstellung über einen außergewöhnlichen Maler. Da steht man also mit Freunden und Bekannten vor diesen unfassbaren Bildern, ist beeindruckt oder verwirrt oder geschockt - ganz egal was - und geht danach einfach so nach Hause. Nein! Man muss doch darüber sprechen. Sich austauschen. Diskutieren. Wie nach einem Kinofilm oder Theaterstück. Das geht am besten bei einem guten Essen mit ein paar Gläschen Wein.

Und da kommt jetzt das Hotel MELIA am Hofgarten ins Spiel. Passend zur Ausstellung “El Greco und die Moderne” hat das Küchenteam dort ein griechisch-spanisches Menü kreiert. Griechisch, weil der Künstler ja auf Kreta geboren wurde. Dann ging’s aber relativ schnell für ihn nach Spanien. Genauer gesagt nach Toledo, wo er vor allem für den spanischen Hofadel arbeitete. Im Prinzip gibt es also in vier Gängen El Grecos Leben auf dem Teller. Wie sieht das aus?

“Grecia y España” beginnt mit einer Auswahl an spanischen und griechischen Tapas. Und die können richtig was. Nicht nur optisch ein herrlich buntes Spiel mit knalligen Farben, auch geschmacklich toll. Kleine Mussakas, also Mini-Aufläufe. Lecker Hackfleisch mit Schafskäse-Creme. Dolmadakia, die gefüllten Weinblätter, herrlich zart und mit jeder Menge Aroma. Eingelegtes Gemüse wie Paprikastreifen, gefüllte Peperoni, Mini-Tortillas und Garnele. Einfach lecker! Damit gibt es also gleich zum Auftakt den geschmacklichen Rundumschlag aus den zwei Ländern, mit denen El Greco verbunden ist - lassen wir seine Italienstation mal weg. Sehr gelungen!

Der zweite Gang kommt in Form einer Auberginen-Feta Cremesuppe daher. Mit Hackfleisch und Lauch. Die hat mich ein wenig an eine super Partysuppe erinnert und das meine ich jetzt positiv! Hatte ordentlich Substanz und war trotzdem gleichzeitig fein. Kräftig gewürzt. Ich mag’s mit Ansage, dem ein oder anderen mag das hier aber vielleicht ein bisschen zu kräftig sein. Ich fand sie auf jeden Fall ziemlich lecker. Von Griechenland aus geht es im Menü nun wieder nach Spanien.

Der Hauptgang - das Herzstück. Eine Paella “Valencia” mit Hühnchenfleisch, Garnelen, Miesmuscheln und Meeresfrüchten. Wow! Die ist super! Der Reis einfach nur perfekt. Fleisch und Fisch legen sich miteinander an, sind aber am Ende im absoluten Einklang. Und diese Miesmuscheln… Wo bitte findet man solche zu Riesen mutierte Exemplare? So groß wie meine Hand mit ‘richtig was drin’. Toll. Das Huhn ist butterzart. Sehr gelungen!

Mittlerweile dürfte man sich am Tisch einig sein, dass El Greco ein ganz großer Künstler war. Also ran ans Dessert: Dodoni und Catalán. Dahinter verbirgt sich eine Variation vom kalten Dodoni-Eis und warmer Crema Catalana. Und das ist jetzt mal so richtig abgefahren.

Die Katalanische Creme dürften Sie kennen. Das traditionelle Dessert mit der Karamellschicht. So weit, so gut. Aber Dodoni-Eis! Das wird hier extra für das Menü selbst hergestellt. Ein Feta-Eis! Hergestellt aus eben einem ganz besonderen: Dem Dodoni-Feta aus dem gleichnamigen Molkereibetrieb. Der besteht ausschließlich aus pasteurisierter Schafs- und Ziegenmilch und kommt aus der Region Epirus im Norden Griechenlands. Um dieses Eis herzustellen, braucht es Zeit. Und: Mut! Das ist wirklich mal ein absolut schräges Geschmackserlebnis. Es wird Gäste geben, die vor Begeisterung ausflippen. Es wird aber sicherlich auch die geben, die das Gesicht verziehen. Auf jeden Fall ein Erlebnis!

Wenn Sie also Lust haben, mit ihren Freunden nach der El Greco-Ausstellung in die kulinarische griechisch-spanische Welt einzudringen, dann geht das am besten im MELIA. Das 4-Gänge-Menü kostet 45 Euro und ist buchbar ab 10 bis 30 Personen. Und wenn möglich, sollten Sie drei Tage vorher reservieren.

8. Mai 2012, Daniel Fiene

15. Test: Da Capo

Das Menu:

Ein Glas Prosecco Sergio Mionetto

Räucherlachs-Mousse auf Grillgemüse
oder
Spinatknödel-Scheiben in brauner Butter gebraten mit Südtiroler Schinken und Pfifferlingen

Kürbistäschchen in Butter-Salbei-Sauce und Parmesan
oder
Roberto‘s Risotto mit Pfifferlingen, Walnüssen, Abate-Birne und Taleggio-Käse

Rinderfiletmedaillon auf Hummerragout und gebratenen Steinpilzen
oder
Seezungen-Lachs-Röllchen auf gedünsteten Fenchelstreifen in Weißweinsauce

Duett von Rosmarin-Cassis-Parfait und Limoncello-Creme mit Erdbeersalat
oder
Topfensoufflé auf Orangencremespiegel

EUR 41,90

Die Kritik:

Das ist eine Ecke in Düsseldorf, da bin ich selten. Sollte ich mal ändern. Das Restaurant “Da Capo” liegt mitten in Derendorf. Und nach meinem Test weiß ich: Hier war ich nicht das letzte Mal. Der Name mag auf den ersten Blick ‘einfach nur’ italienische Küche verheißen. Ganz so einfach ist es aber nicht. Hier gibt es mediterrane Küche mit Südtiroler Einschlag. Ein sehr warmes Restaurant mit schön viel Holz, wenn man durch die große, rote Tür geht. Der Kollege Arne Klüh ist mit dabei und das ist gut so, denn (abgesehen davon, dass er eine sehr charmante Begleitung ist) bei diesem Menu kann man immer zwischen zwei Gerichten wählen.

Und so steht für mich bei Gang 1 fest: “Spinatknödel-Scheiben in brauner Butter gebraten mit Südtiroler Schinken und Pfifferlingen”. Arne nimmt, weil er höflich ist und meint, dass wir ja schließlich alles testen müssen: “Räucherlachs-Mousse auf Grillgemüse”. Meins ist auf jeden Fall aus Südtirol und einfach nur fantastico. Ein ganz einfaches Gericht eigentlich. Ich sehe förmlich la Mamma am Herd in Bozen stehen, wie sie diese grünen Scheiben in die brutzelnde Butter legt. Einfach und genau deswegen so gut! Der Schinken verleiht dem ganzen noch den Kick. Ich bin begeistert. Und Arne? “Auch!” Gut.
Dazu haben wir uns für einen Lugana entschieden, nachdem wir erfahren, dass es hier einen riesigen Weinkeller gibt. Mit Lugana macht man eigentlich nie was falsch, aber der hier ist mal so richtig geil. Und zwar so, dass er beim zweiten Gang nur noch ein Tropfenschatten seiner selbst ist: “Kürbistäschchen in Butter-Salbei-Sauce und Parmesan” für mich und
“Roberto‘s Risotto mit Pfifferlingen, Walnüssen, Abate-Birne und Taleggio-Käse” für Arne.
Meine Pasta ist super. Ich hätte zwar das Olivenöl auf dem Teller dazu nicht gebraucht - war mir eine Spur zu viel - aber ansonsten richtig lecker. Arne hat auch Spaß an seinem Risotto. Das ist schön schlonzig und gut abgestimmt. Er sagt nur, dass er das Birnenaroma ‘nicht so richtig findet’. Ist aber trotzdem begeistert. Der Service ist übrigens herzlich und ganz bezaubernd.
Beim Hauptgang wird’s für uns beide heute Fleisch und ein Valpolicella. Es kommt das “Rinderfiletmedaillon auf Hummerragout und gebratenen Steinpilzen”. Ein richtig geiles Stück Fleisch. Saftig, butterzart und die Steinpilze dazu einfach nur klasse. Was will man mehr? Das Dessert vielleicht noch: Das “Duett von Rosmarin-Cassis-Parfait und Limoncello-Creme mit Erdbeersalat” wird meins. Arne macht sich über das “Topfensoufflé auf Orangencremespiegel” her. Auch da kann man nur sagen: Lecker! Schlicht und einfach lecker.
Wenn Sie jetzt aber meinen: das war’s! Neeeiiinn! Nicht dass wir gierig wären oder gar immer noch hungrig, aber wir bekommen mit, wie hier über den hausgemachten Kaiserschmarrn philosophiert wird. Ich finde ja, dass Kaiserschmarrn tatsächlich eine Philosophie für sich ist. Wenn der gut gemacht ist, ist er ein Traum. Man kann ihn aber leider auch ganz einfach verhunzen. Dann ist er trocken oder zu süß oder was auch immer. Wir nehmen also noch eine Kostprobe davon, die wir uns teilen. Und es stimmt: Dieser Kaiserschmarrn ist fantastisch! Ich schwöre, allein deswegen würde ich nochmal kommen.
Fazit: Für mich ist das “Da Capo” eine schöne Neuentdeckung. Jetzt kenne ich auch endlich ein Restaurant, in dem man ein Stück Südtirol auf die Teller bekommt. Angenehme, unkomplizierte Atmosphäre. Leckeres Essen, bei dem die Zutaten, das Produkt an sich einfach noch im Vordergrund steht. Richtig tolle Weine. Ich komme “da capo”!

22. März 2012, fiene

14. Test: Brasserie 1806 im Breidenbacher Hof

Das Jubiläumsmenü:

Tatar vom französischen Charolais-Rind mit Prunier-Caviar Malossol

Gegrillter bretonischer Hummerschwanz auf Tomaten-Safranschmelze

Trüffelei auf Crème Spinat

Atlantik Steinbutt in Champagnersauce

Gebratenes Hohenloher Kalbsfilet mit Périgord-Mousseline und glasierten Rübchen

„Wie schmeckt eigentlich Düsseldorfer Luft?“
Champagner / Blutpfirsich / Schokolade / Altbier

EUR 149,00
EUR 99,00 [4 Gänge]

Die Kritik:

Ich wusste es. Es gibt einen Gott. Und anscheinend habe ich mich aus menschlicher Sicht bisher einigermaßen gut auf Erden geschlagen. Sonst kann ich mir nicht erklären, warum er mir dieses Erlebnis geschenkt hat. Der Breidenbacher Hof wird (mit Unterbrechung…) 200 Jahre alt. Sieht man ihm gar nicht an. So ein Jubiläum muss natürlich gefeiert werden. Und zwar mit Pauken und Trompeten. Richtig so. Nur das Beste für das Geburtstagskind. Ich stehe ja auf den Breidenbacher Hof. Hat eine super Bar mit großartigem Service, wenn man die elegante Treppe hoch geht. (Nur ein Tipp am Rande: Unbedingt die Fashion-Cocktails dort probieren!!!!) Aber vorher wird gegessen. Sechs Gänge. Obwohl, eigentlich sind’s am Ende acht. Geht nämlich los mit dem Gruß aus der Küche. Düsseldorf auf dem Teller! Mettbrötchen, Himmel und Ähd und ein Glas Altbier! Aber das natürlich in der Interpretation von Küchenchef Michael Reinhardt. Lassen Sie sich überraschen. Das ist toll. Oder wie die Freundin und Kollegin Claudia Monréal sagt: “Lustig!”
Wir starten mit dem “Tatar vom französischen Charolais-Rind mit Prunier-Caviar Malossol”. Ha! Ich flipp aus. Das ist so erstklassig. So einzigartig. Sensationell. Tut mir leid, kann ich nicht mehr zu sagen. Was ist das für ein kreativer Vogel! Wie das schon aussieht auf dem Teller und vor allem, wie das schmeckt…
Also ab zu meinem Lieblingsgang an diesem Abend: “Gegrillter bretonischer Hummerschwanz auf Tomaten-Safranschmelze”. Moment. Ich muss mich kurz zusammenreißen. Waaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhh! Entschuldigung, hat nicht geklappt. Abgesehen davon, dass ich dieses Meerestier liebe - diese Tomaten-Safranschmelze, in der der Hummer liegt, ist das leckerste, was ich bei dieser ganzen Tour gegessen habe. Sagt Claudia übrigens auch. Der absolute Wahnsinn. Ich überlege kurz, ob ich mit dem Brot noch die letzten Tropfen aufsaugen soll, traue mich dann aber doch nicht. Teller ablecken scheidet ja leider auch aus.
Gang Nummer drei: “Trüffelei auf Crème Spinat”. Na, da war aber einer gar nicht geizig mit dem Trüffel. Alles voll auf dem Teller. Es gibt ja schließlich was zu feiern. Trüffelei ist nicht unbedingt mein persönlicher Liebling. Das ändert aber nichts daran, dass es verdammt lecker ist. Ich habe Claudia jetzt nicht beim Essen beobachtet, aber sie muss den Gang förmlich verschlungen haben, ohne Rücksicht auf Verluste. Sie hat nämlich um den Mund herum alles grün. Große Augen: “Lecker, Tanja! Lecker!” Ja, sieht man…
Als nächstes kommt der “Atlantik Steinbutt in Champagnersauce” angeschwommen. Auch hier: Einfach nur erstklassig. Ganz fein, ganz sanft. Begeisterung!

Die hält dann auch beim “Gebratenen Hohenloher Kalbsfilet mit Périgord-Mousseline und glasierten Rübchen” an. Die Rübchen sind so auf dem Teller angerichtet, dass ich an die “7 Zwerge” denken muss. Fragen Sie mich nicht warum. Das Kalbsfilet ist fantastisch. Meine Güte, was soll ich denn noch sagen? Dieses ganze Menu ist ein einziger Hochgenuss. Bleibt also noch die Frage: „Wie schmeckt eigentlich Düsseldorfer Luft?“ Das Dessert: “Champagner / Blutpfirsich / Schokolade / Altbier”. Kann ich Ihnen nicht beschreiben, müssen Sie gegessen haben. Eigenhändig vom Chef Patissier kreiert. Und eigentlich sind wir jetzt vollkommen auf Wolke 7 und vor allem satt. Aber diese Pralinen, die jetzt auch noch kommen, die können wir nicht stehen lassen. Wir futtern fast die ganze Batterie leer. Das ist maßlos, ja, aber es gab keine Alternative…
Fazit: Ich weiss, knapp 150 Euro sind eine Hausmarke. Aber auch hier muss ich sagen: Absolut gerechtfertigt. Hummer, Champagner, Trüffel, … Das ist purer Luxus, der Zutat für Zutat zudem sensationell verarbeitet wurde. Dazu der exzellente Service und Weine, die einfach nur richtig Spaß machen. Es war der perfekte Abend, der noch mit einem großartigen Cocktail in der Capella Bar abgerundet wurde. Für mich einfach eines der besten Restaurants der Stadt. Punkt.

20. März 2012, fiene

13. Test: Christen im Haus Litzbrück

Das Menu:

Crispy, Spicy, Cross Over:

Knusper-Tintenfischringe, Heilbutt-Tatar und Croustillants von der Riesengarnele an kleinem Salatkörbchen

Mulligatawny-Macchiato mit Surprise-Spieß

Filet vom irischen Hochlandrind in Whiskey-Cream mit Kartoffel-Crumble und Mixed Beans

Tiramisu von Brownies und Cranberries

EUR 39,90
EUR 55,90 (mit Weinbegleitung)

Die Kritik:

Ich gebe zu, als ich wusste, dass es nach Angermund geht, dachte ich: “Hilfe. Von mir zuhause aus am Ende der Welt…” Hatte mich schon auf eine elend lange Fahrt mit Bus und Bahn eingestellt, doch dann: Überraschung! Gerade mal 20 Minuten von Bilk aus inklusive umsteigen und man landet direkt (!) vor der Tür. Das “Christen” ist nämlich direkt am S-Bahnhof Angermund. Super praktisch. Das Schönste allerdings: Meine Begleitung fährt mit dem Auto und nimmt mich mit. Wir sind zu spät. Das Navi hat nämlich nicht gerafft, dass wir in 50 Metern rechts abbiegen müssen und nicht in 300. Und dann kurvt man da schon eine ganze Zeit lang rum. Hinzu kommt, dass meine Freundin nachtblind ist. Also einmal durchatmen, als wir dann doch vor dem hell erleuchteten Haus ankommen und rein…
Wow. Schön ist es hier. Riesige Kronleuchter an der Decke, Holzbalken, viel Licht im Raum. Verbreitet ein Gefühl von “Herrenhaus”. So ein bisschen wie in vergangenen Zeiten, aber dann doch wieder modern. Für das Restaurant an sich schonmal zehn Punkte!
Der erste, den wir kennenlernen, ist Hugo. Das ist der Hauscocktail. Quasi der ‘Nachfolger’ vom Aperol Sprizz. Ein frischer Frühlings- und Sommerbegleiter. Wir haben Hunger. Da lacht uns auch schon das frische Brot auf dem Tisch an. Ist fast peinlich. Es gibt nämlich unter anderem einen Dip mit rotem Pfeffer, der dazu gereicht wird. Von dem ist am Ende nichts (!) mehr übrig. Geil. Das Motto heute Abend ist: ‘Crispy, Spicy, Cross Over’. Dann lass mal checken, was die vier Gänge können…
Nummer 1: “Knusper-Tintenfischringe, Heilbutt-Tatar und Croustillants von der Riesengarnele an kleinem Salatkörbchen”. Dazu ein feiner Riesling. Lassen Sie mich zunächst in Begeisterungsstürme ausbrechen. Das Heilbutt-Tatar mit Wasabikaviar ist Extraklasse. Auch optisch. Der weißliche Fisch und die grüne Haube. Klasse. Das ist die Geschmacksbombe auf dem Teller - zusammen mit den vielen kleinen ‘kresseartigen’ Blättchen. Die sorgen nämlich für zahlreiche “Wows!” bei uns. Rote Shiso-Kresse und ich meine, junge Sesamblätter raus zu schmecken. Auch die Titenfischringe und die Riesengarnele können was. Das einzige Problem: Für unsere Mägen sind die beiden (plus Nest, in dem der Salat liegt) zu viel Frittiertes. Das merken wir aber erst, nachdem wir den ersten Gang komplett verschlungen haben. Kann der Koch ja nix für. Wir sind da einfach beide ein bisschen empfindlich und haben ein flaues Gefühl im Magen.
Das verschwindet aber zum Glück mit dem nächsten Gang: “Mulligatawny-Macchiato mit Surprise-Spieß”. Es wird also ein Stück weit englisch-indisch mit diesem curry angehauchten Süppchen mit Fleisch. Falls Sie gerade grübeln, woher sie diesen Namen kennen: Mulligatawny? Das ist die Suppe, die als erster Gang bei “Dinner for One” aufgetischt wird. Ich finde diese hier lecker. Zwei Highlights bei diesem Gang: Erstens der Überraschungsspieß. Ein pink-weiß farbener gegrillter Marshmallow. Woohoo! Super. Das absolute Highlight an diesem Gang ist aber der Wein. Ein im Barrique gereifter Chardonnay aus der Pfalz. Alter Schwede. Ich bin schwer verliebt. Meine Freundin meint: “Der schmeckt so schön schmelzig nach Karamell und Sahnebonbon.” Ja, hat auf jeden Fall was davon. Ich muss den Winzer ausfindig machen!!!
Ein Wort zum Service: Sehr aufmerksam, hat Plan, super Timing und für uns die perfekte Geschwindigkeit heute. Merci!
Und damit landen wir beim “Filet vom irischen Hochlandrind in Whiskey-Cream mit Kartoffel-Crumble und Mixed Beans”. Ach, dieses irische Rind. Wir sind auf den ersten Bissen die besten Freunde. Nur das es selbst davon nichts mehr mitbekommt. Ein sagenhaftes Stück Fleisch. Für mich auch perfekt medium gegart. Butterzart. Meiner Begleitung ist es ein klein wenig zu durch, trotzdem will sie nicht meckern. Ist auch nur ein Hauch und letztendlich überzeugt sie einfach der Geschmack. Mit einem feinen Sößchen dazu. Für mich persönlich hätte es ein Schuss mehr Whiskey sein können. Ich steh einfach drauf. Aber eben nicht jeder. Und vielleicht hätte sich zu viel Whiskey auch nicht so wirklich mit dem Chianti dazu vertragen. Das Kartoffel-Crumble-Ding ist übrigens auch super lecker.
Fehlt noch der krönende Abschluss: “Tiramisu von Brownies und Cranberries”. Kommt im Glas daher. In dem anderen Glas ist eine Beerenauslese, die total nach Maracuja schmeckt. An sich ist das ein schöner Abschluss. Brownie und Cranberries gehen super zusammen. Mir fehlte nur ein bisschen der Kick. Aber ich will nicht unfair sein: Nach so vielen Tour-Tests ist man am Ende auch ganz schön verwöhnt. Das hat schon gepasst!
Fazit: Ich bin erstens absolut hingerissen von der Location an sich. Was ein außergewöhnliches Restaurant. Die Küche ist toll. Super Weinauswahl. Ich werde auf jeden Fall nach der Tour mal hin, um dann das Hirschkotelett oder den Spanferkelrücken zu probieren. Klingt verlockend.

19. März 2012, fiene

12. Test: Le Chardonnay

Das Menu:

Gruß vom Küchenchef

Hausgemachtes Carpaccio vom Canada Bison mit frisch gehobeltem Parmesan am Rucola-Sträußchen

Schaumsüppchen von der Brunnenkresse

Seeteufel-Medaillon in der Tomate an französischen Kräutern und glasierten Zuckerschoten

Proseccosorbet mit geeister Erdbeere

Rinderfiletmedaillon gefüllt mit passierter Mokkabohne auf grünem Spargelmikado, Frühlingsschalotten-Jus und Walnusskrapfen

Mango-Mousse an Saucenspielereien

Kleine französische Käseauswahl

EUR 48,50

Die Kritik:

Rotkäppchen und den bösen Wolf habe ich nicht getroffen, aber dafür ein paar Pferde. Auf dem Weg durch den Grafenberger Wald. Herrlicher Spaziergang übrigens. Das Ziel: “Le Chardonnay”. Das Restaurant mit dem wahrscheinlich besten Blick auf die Rennbahn. Heute frühlingshafte Temperaturen - fast könnte man draußen auf der herrlichen, großen Sonnenterrasse sitzen. Meine Begleitung (es ist der Chef! Und der ist natürlich nicht gelaufen wie ich.. ) und ich gehen aber trotzdem rein. Schick ist es, aber nicht “zu schick”. Wir fühlen uns nach der herzlichen Begrüßung richtig wohl und gönnen uns erstmal was. Uns beiden ist nach einem Glas Champagner. Und da falle ich schon fast vom Stuhl. Für mich der absolut geilste Champus, den ich je getrunken habe. Ein Henri Giraud Grand Cru. Gott muss mich lieben. Danke!
Na, das kann ja was werden. Nach diesem vielversprechenden Auftakt vertrauen wir dann auch dem tollen Service in Sachen Weinempfehlung. Und gleich vorweg: Wir haben nichts bereut :-)
Wir starten nach dem Gruß aus der Küche mit dem “Hausgemachten Carpaccio vom Canada Bison mit frisch gehobeltem Parmesan am Rucola-Sträußchen”. Woohoo! Das nenne ich mal ausgefallen. Carpaccio vom Canada Bison! Hatte befürchtet, dass es irgendwie nach altem Büffelvieh schmeckt, aber weit gefehlt. Ganz fein und zart. Eine absolute Neuentdeckung, die richtig Spaß gemacht hat. Der Chef sagt: “Bison. Hätte ich jetzt so nicht erkannt.” Ach was…
Es folgt das “Schaumsüppchen von der Brunnenkresse”. Und da werden unsere Augen ganz groß. Ich zitiere wieder den Chef: “Sensationell! Einfach nur sensationell!” Ja. Krass, was man aus einem ‘einfachen’ Süppchen so machen kann. Hut ab! Wir würden auch einen Eimer voll nehmen, wenn nicht noch ‘ein bisschen was’ käme. Wie zum Beispiel das “Seeteufel-Medaillon in der Tomate an französischen Kräutern und glasierten Zuckerschoten”. Auch super. Eine einzige Kleinigkeit vielleicht: Die Tomate ist leider so gut (so fleischig, so saftig, so rot, so gut gereift, einfach sooo tomatig), dass der Fisch geschmacklich ein wenig platt gemacht wird. Insgesamt aber eine runde Sache.
Zeit für eine Erfrischung: “Proseccosorbet mit geeister Erdbeere”. Macht genau das, was es soll. Wach. Und schafft Platz für den Hauptgang. Bevor der aber kommt, gönnen wir uns ein Päuschen draußen auf der Terrasse. Schon sehr cool. Schade, dass es dunkel ist, aber der Ausblick muss tagsüber der Renner sein. (Ha! Witz! Verstehen Sie?! Renner… - Rennbahn… Ok, äh, ja…) Was für eine schöne Atmosphäre hier. Ich fühle mich wie im Urlaub. Was sicherlich auch daran liegt, dass uns der tolle Service die Getränke raus bringt.
Der Plan: Im Frühling und im Sommer unbedingt nochmal hierhin kommen und dann den Ausblick von der Terrasse aus genießen. Jetzt aber erstmal ran an den Hauptgang: “Rinderfiletmedaillon gefüllt mit passierter Mokkabohne auf grünem Spargelmikado, Frühlingsschalotten-Jus und Walnusskrapfen”. Sehr, sehr lecker! Ich persönlich hätte die - ich nenne es mal ‘Mokkabohnenhaube’ - zwar nicht gebraucht, aber das ändert nichts daran, dass das alles ganz fein abgestimmt war. Das Fleisch auf den Punkt gegart. Tolles ‘Sößchen’. Ich glaube, wir grinsen ein wenig debil. Dieser Abend macht richtig Spaß!
Super zum Abschluss: Man muss sich nicht entscheiden, ob süß oder Käse. Es gibt nämlich beides: “Mango-Mousse an Saucenspielereien” und hinterher noch eine “Kleine französische Käseauswahl”. Beides ist einfach nur traumhaft. Punkt.
Wir sind natürlich mal wieder die letzten Gäste. Aber das ist ein gutes Zeichen, oder?
Fazit: Erstens bin ich überrascht. Hatte mir ehrlich gesagt einen ziemlich schnöseligen Laden vorgestellt. Von wegen Rennbahn und Golfclub. Ist es nicht schön, wenn Vorurteile abgebaut werden?! Habe mich sehr, sehr wohl gefühlt. Und um das Lieblingswort des Chefs noch ein weiteres Mal zu bemühen: Sensationell - wenn man im Sommer draußen sitzen kann. Abgesehen davon hat uns die Küche wirklich begeistert. Wir reden hier von sieben Gängen auf wirklich hohem Niveau für 48,50 Euro. Dazu richtig tolle Weine quer durch Italien und Deutschland. Passen Sie nur auf, dass Sie am Ende des Abends nicht im Loch 8 landen…

19. März 2012, fiene

11. Test: Ratatouille

Das Menu:

Cappuccino von Garnelen mit Kürbiskernöl
Sauvignon Blanc Domaine de la Pounière AOC Touraine

Kleiner baskischer Lammburger mit Kurkuma-Salz und Dijon-Senfsauce
Côtes du Rhône Domaine de l‘Amandine

Sorbet von Basilikum und Limetten in Rosenwasser
Crémant d‘Alsace Cuvée du Paradis

Kleine Papilotten vom Edelfisch
Muscadet-sur-Lie Domaine de la Tourette Vieilles Vignes

Mousse au Chocolat an Himbeersoße
Pineau des Charentes rouge

EUR 29,90
EUR 42,00 (inkl. Weinbegleitung)

Die Kritik:

Ob da auch die Ratte kocht? Die aus dem gleichnamigen Film? Hmmm… Das “Ratatouille” in Pempelfort. Hat sich französische und belgische Küche auf die Fahnen geschrieben. Der Kollege Dennis Grollmann darf dieses Mal mit und der freut sich so, dass ich den Eindruck habe, der hat seit Tagen nichts mehr gegessen. Als wir eintreten, rutscht mir ein “Wow, cool!” raus. Was für ein süßer Laden. Nicht sehr groß, Holztische mit rot-weiß-karierten Tischdecken. Im Hintergrund läuft französische Musik und es riecht lecker. Kein Witz - das war so, als hätte jemand den Schalter umgelegt und plötzlich ist man nicht mehr in Düsseldorf, sondern in Paris. Hat richtig Flair. Und der Blick auf die Karte zeigt: Hier gibt’s ganz viele Flammkuchen. Die werden es aber heute nicht, sondern das fünf Gänge-Menu. Es soll ein kulinarischer Kurztrip durch Frankreich werden. Und das ist in zweierlei Hinsicht leider wörtlich zu nehmen. Einmal schmeckt es nämlich insgesamt so gut, dass der Genuss ruhig länger dauern könnte. Und dann geht mir das aber alles servicemäßig viel zu schnell. Ratzfatz stehen hier die Gänge auf dem Tisch. Fast wie am Fließband. Wir waren in anderthalb Stunden durch. Gut, das kann man aber steuern und ne Ansage machen. Haben wir dann auch irgendwann gemacht. Es sei denn, Sie haben noch was vor…
Insofern: Lassen Sie uns über’s Essen reden. Erster Gang: “Cappuccino von Garnelen mit Kürbiskernöl”. Fand ich jetzt nicht so spannend. Auch den Sauvignon Blanc dazu nicht. Aber dann: “Kleiner baskischer Lammburger mit Kurkuma-Salz und Dijon-Senfsauce”. Der war eine Granate. Ich steh ja nicht so auf Lamm, der war aber fantastisch. Wie der Kollege Grollmann sagte: “Schmeckt gar nicht so fies!” Er meinte damit, dass dieses Lamm nicht so schmeckt wie Ziege riecht. Wenn Sie wissen, was ich meine… Nein, der Buger war wirklich ganz große Klasse. Schön saftig dazu.
Das ist auch das Stichwort für das “Sorbet von Basilikum und Limetten in Rosenwasser”. Davor hatte ich Respekt. Rosenwasser kann echt viel kaputt machen, wenn man damit nicht umgehen kann. Es kann sehr dominant sein und alles andere platt machen. Hier war das aber geschmacklich perfekt abgestimmt. In genau der richtigen Dosierung am Start. Geschmacklich ein absolutes Highlight! Kompliment! Dazu ein toller Crémant d‘Alsace Cuvée du Paradis, der dazu passte wie A auf Eimer. Toll! (Der Kollege Grollmann hat währenddessen die ganze Zeit überlegt, an was ihn dieser Rosenwasser-Geschmack erinnert. Und irgendwann platzt es aus ihm heraus: “Oma!” Und eine Träne läuft über seine Wange… Nein! ;-) Aber nicht, dass Sie jetzt einen falschen geschmacklichen Eindruck bekommen… Das hatte mit Oma gar nix zu tun.) Mittlerweile ist der Laden auch rappelvoll. Bis auf den letzten Tisch alles besetzt. Der Service bleibt trotzdem super aufmerksam und freundlich.
Wir freuen uns auf den nächsten Gang: “Kleine Papilotten vom Edelfisch”. Ach so, ich habe noch gar nicht gesagt, wie schön das alles aussieht, was hier auf den Tellern landet. Da wird mit Farben gespielt, kunstvoll angerichtet, so dass das Auge auch was davon hat. Wie eben beim Fisch. Der kommt in einer kunstvoll gefalteten “Tüte” aus (war es?) Backpapier  daher, in der er auch gegart wurde. Das macht optisch ganz schön was her. Das einzige kleine Problem: man faltet es natürlich auf, um an den Inhalt zu kommen und das macht es widerum schwierig, an die zusätzliche Sauce auf dem Teller zu kommen. Weil das Papier aufgefaltet fast den kompletten Teller verdeckt. Abgesehen davon ist das, was da in der Tüte ist, super! Ganz feiner Fisch, top gegart und gewürzt. Er liegt auf einem pikanten, ja, ich nenne es mal Bohnengemüse. Die Kombination ist schlichtweg saulecker. Und weckt auch den (pur getrunken etwas blassen) Muscadet-Wein. Wenn der im Mund nämlich auf den Fisch mit Gemüse trifft, wird aus dem Entchen ein stolzer Schwan. Auch der Gang hat richtig Spaß gemacht.
Fehlt noch der krönende Abschluss: Mousse au Chocolat an Himbeersoße. Ein Kunstwerk auf dem Teller. Wunderschön und auch genauso lecker. Lange nicht mehr so eine gute Mousse gegessen. Dazu gibt es einen wunderbaren Dessertwein. Sehr schön.
Fazit: Auch wenn ich ein bisschen gemeckert habe, dass uns das Tempo etwas zu zackig war - der Rest hat richtig Spaß gemacht. Vor allem hat das “Ratatouille” eine ganz tolle Atmosphäre. Von einer Sekunde auf die andere ist man in Paris. Die 30 Euro für das Menu sind völlig ok. Auch wenn die Portionen etwas klein waren, die Vielfalt und der Geschmack haben es ausgemacht. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen. Und dann gibt’s Flammkuchen!

16. März 2012, fiene

10.Test: Dorfstube

Das Menu:
Feines Mousse vom Flusskrebs mit marinierten Flusskrebsschwänzen und Krebsmayonnaise
Schwarzwälder Schlutzkrapfen, gefüllt mit Rote Bete und Bergkäse auf Kalbsschwanzragout
Lamm von der Älbler Wacholderheide mit Perlgraupen und geschmortem Spitzkohl
Oder:
Mit Meerrettich gratiniertes Kalbsrückensteak mit Rotweinschalotten und handgeschabten Spätzle
Kleines, karamellisiertes Apfeltärtle mit Vanillesoufflé und Mascarponeeis
EUR 47,50
Plus EUR 30,00 inklusive Weinbegleitung

Die Kritik:

„Ich habe zwei Möpse!“ Das sagt die Dame hinter mir am Tisch. Im ersten Moment denke ich: „Das ist gut so!“ Sie meint aber ihre Hunde. Wir sind in der „Dorfstube“ in Oberkassel. Sobald sich hier die Tür öffnet, sind Sie in einer anderen Welt. Im Schwarzwald nämlich. Jetzt denken Sie aber bitte nicht an so ein verkitschtes Ding. Es ist so verdammt gemütlich hier, dass man wirklich innerhalb von Sekunden den ganzen Stress des Tages vergisst. Und noch etwas ist außergewöhnlich: Wo bitte in Düsseldorf gibt es sonst so richtig ‚deutsche’ Küche auf gehobenem Niveau? Mir fällt da spontan nichts ein. Ist mir aber auch egal, denn ich will gar nicht mehr woanders hin, wenn es um diese kulinarische Richtung geht. Gourmets wissen längst, wer sich hinter der „Dorfstube“ verbirgt. Bareiss - bei dem Namen schlackern Feinschmeckern die Ohren! Die Hotelier-Familie hat nämlich einen Drei-Sterne-Tempel in Baiersbronn. Hier in Oberkassel kommt also seit gut einem Jahr allerbeste Schwarzwälder Küche auf die Teller und das Wichtigste: Es schmeckt nach Liebe!

Wir sitzen also ganz kuschelig und vor allem hungrig in einer der Stuben und lassen uns erst einmal das leckere Brot, die knackigen Radieschen und den Sekt vom Huber dazu schmecken. Vier Gänge stehen an und wenn die nur halb so gut schmecken wie sie klingen, dann bin ich heute der glücklichste Mensch.

Wir starten mit: „Feines Mousse vom Flusskrebs mit marinierten Flusskrebsschwänzen und Krebsmayonnaise“. Dazu gibt es einen Riesling aus Baden. Ja, da staunste. Die Flusskrebsschwänze haben nämlich tatsächlich Schwänze (im Gegensatz wohl zu den Möpsen vom Nachbartisch). Die wurden also nicht maschinell „gerupft“. Toll. Schon nach den ersten Bissen wird klar: Das ist ganz großes Kino! Jedes Stück auf der Gabel ein absoluter Hochgenuss. Ich lehne mich zurück und es platzt aus mir raus: „Ich liebe diesen Laden!“ Und ich liebe den Typen aus dem Service. Ist nämlich wirklich ein ‚Typ’. Der macht richtig Spaß und ich habe das Gefühl, dass wenn ich ihn fragen würde, wie viele Tropfen in meinem Weinglas sind, er mir das ohne mit der Wimper zu zucken sagen könnte. Ich muss fragen, wie er heißt! Friedemann. Na dann, Friedemann, wir sind bereit für die nächste Runde.

„Schwarzwälder Schlutzkrapfen, gefüllt mit Rote Bete und Bergkäse auf Kalbsschwanzragout“. Meine Begleitung haut auf den Tisch: „Das ist mein Lieblingsgang!“ Super! Wie harmonisch das ist. Wie sich all diese Komponenten vereinen. Die sollten heiraten! Ich könnte noch eine Portion verdrücken und dann seelig nach Hause gehen. Und Friedemann empfiehlt uns dazu einen Schwarzriesling. Ich gebe zu, den hatte ich noch nie im Glas. Keine Ahnung, ob das so an sich mein Lieblingsrotwein werden würde – wahrscheinlich nicht – aber zu diesem Gang passt er hervorragend. Meine Güte, wenn das so weitergeht…

Ich freue mich nicht so sehr auf den Hauptgang, weil ich es mit Lamm nicht so habe. Aber als hätte die „Dorfstube“ es geahnt: Es gibt eine Lösung. Man kann wählen: „Lamm von der Älbler Wacholderheide mit Perlgraupen und geschmortem Spitzkohl“ oder „Mit Meerrettich gratiniertes Kalbsrückensteak mit Rotweinschalotten und handgeschabten Spätzle“. Meine Freundin nimmt das Lamm mit dem Spätburgunder aus Baden, ich freue mich auf das Kalb. Oder besser gesagt: Ich hätte mich gefreut, wenn ich es denn hätte aufessen dürfen. Meine Freundin schwärmt noch vom Lamm, beobachtet aber genau meinen Teller. Sie ist nämlich auch scharf auf das Kalb mit der Meerrettich-Kruste. In Gedanken baue ich einen Stacheldrahtzaun um meinen Teller. Mit Selbstschussanlage. Wenn ich ehrlich bin, möchte ich kein einziges Stück davon abgeben. Es ist einfach großartig. Mein 11. Test bei der Tour und ich würde wirklich gerne mal wieder was zu kritisieren haben. Aber daraus wird an diesem Abend nichts. Ganz im Gegenteil. Aber ehrlich, was soll ich künstlich meckern, wenn es einfach nichts zu meckern gibt! Und so schiebe ich meinen Teller dann doch noch rüber, damit meine Freundin endlich aufhört, mich wie ein trauriger Mops anzugucken. Anschließend kann sie sich im Teller spiegeln. Bis auf den letzten Saucentropfen alles weggeputzt. Es schmeckt einfach nur himmlisch. Auch die Spätzle. Die schabt in der Küche der Twana, wie wir erfahren. Danke.
Bevor das Dessert kommt, pfeifen wir uns erst einmal etwas richtig Gesundes rein. Obst. Ok, Obstbrand. Aber das macht ja keinen Unterschied. Hui, so ein „Zibärtle“ von Schladerers Raritäten, der macht aber so richtig warm… Meine Freundin muss dann mal kurz wohin und landet danach verwirrt in einer anderen Stube… Und wir werden ein bisschen albern. Mir fallen die Möpse wieder ein und ich muss lachen. Wird Zeit für das Dessert: „Kleines, karamellisiertes Apfeltärtle mit Vanillesoufflé und Mascarponeeis“. Nicht nur optisch ein Traum, auch auf dem Gaumen. In die Scheurebe Auslese könnte ich mich auch rein legen. Tolle Birnen- und Apfelnoten. Wir wollen gar nicht mehr weg hier…
Fazit: Ja, ich liebe diesen Laden! Perfekt um mal komplett abzuschalten. Was auf die Teller kommt, ist einfach nur großartig. Der Service zum Küssen. Tolle Weine. Für 47,50 Euro das Menu – jeden einzelnen Cent wert. Ach, viel zu wenig… So einen Abend kann man gar nicht bezahlen.

14. März 2012, fiene

9. Test: Tafelspitz

Das Menu:
Vorab und zum Brot: Kleine italienische Appetitmacher

Geschmacksimpressionen:
Caprese di Bu „Modern Art” • Tonno “Macchiato” • Melone / Scampi / Parmaschinken • Sardelle Ripieni • Carpaccio di Bufalo •

Herzmuschelsuppe •Gnocchetti „Don Alfonso” • Kaninchenrisotto “Della Nonna” • Pasta Fagioli •

Seeteufelbäckchen mit Artischocken und Polenta• Geschmorter Aal in Rotwein mit Röstbrot und Ochsenmark •Baccalà mit Meeresfrüchten, Mandeln und grünen Oliven

• Spanferkelkotelett mit Gremolata • Kalbsbraten mit Fenchel • Zitronenhühnchen im Biskuitmantel •

Panna cotta mit Pistazien und Torrone, Limonensorbet, Zabaglione, Cassatamousse und Fritole Venessiane

EUR 78,00

Die Kritik:
Machen Sie mal die Augen zu. Und dann stellen Sie sich so einen Spielautomaten vor. So ein blinkendes Ding in einer Kneipe. Sie haben gerade zwei Euro rein geschmissen und der Automat fängt an zu drehen. Zack. Links in der Anzeige bleibt das rote Herz stehen. Die anderen zwei drehen sich weiter. Zack. Auch in der Mitte bleibt das rote Herz im Fenster. Dreh… Und zack: Auch rechts das rote Herz. Drei Mal das rote Herz! Und jetzt fängt der Automat wie wild an zu blinken, macht ganz laute Geräusche. Bingo! Die Geldstücke klackern unten raus und fliegen Ihnen nur so um die Ohren. Der absolute Hauptgewinn! Unfassbar. Ja! Ja! Ja!
Das ist das „Tafelspitz“ und damit könnte ich meine Kritik eigentlich beenden. Es war einfach nur der perfekte Abend mit dem perfekten Essen, den perfekten Weinen und dem perfekten Service. Vielleicht denken Sie: „Aber irgendwas muss doch nicht so gut gewesen sein!“ Nein. Es tut mir leid. Ich würde gerne meckern, aber es gibt einfach nichts.

Kurz zur Info: Letztens war ich im ‘Alten Fischerhaus’. Da hat der Koch Markus Schulte mit seinem ehemaligen Azubi Daniel Dal-Ben ein Menu für die Tour kreiert. Aus diesem ehemaligen Azubi ist ein Sternekoch geworden. Daniel Dal-Ben steht hier im ‘Tafelspitz’ am Herd des vielleicht unkompliziertesten Sterne-Restaurants in Düsseldorf. In manchen Sterne-Restaurants (nicht dass ich jetzt jede Woche in zwei gehe…), geht es dann manchmal doch ein bisschen steif zu. Man sitzt da teilweise so verkrampft, weil man das Gefühl hat, nicht dorthin zu gehören. Es sei denn, Sie steppen von Natur aus im Chanel-Kostüm auf, wenn Sie essen gehen und haben das Konto so voll, dass Sie gar nicht wissen wohin damit. Im ‘Tafelspitz’ ist das anders. Erstens: An der Eingangstür klebt ein Fortuna-Aufkleber! Und: Ich hab ne Jeans an und so einen Pseudoblazer, und ich fühle mich wohl. Mich guckt auch keiner komisch an. Ganz im Gegenteil – hat was von Wohnzimmer. Also rein mit dem schon wieder dicker gewordenen Hintern in die weichen Ledersitze.
Ihnen wird mein Gemütszustand egal sein, aber ich bin müde, habe lange gearbeitet und war die letzten drei Tage nur zum Schlafen zuhause. Essen, essen, essen. Meine Freundin und Kollegin Sabine Piel dagegen strahlt wie ein Honigkuchenpferd. Sie ist frisch, ausgeschlafen, hungrig und hat ab morgen Urlaub. Es dauert genau fünf Minuten – nach dem ersten Schluck Crémant – und ich fühle mich wie Sabine. Dabei hat die Reise durch Italien noch gar nicht begonnen. Fünf Gänge warten auf uns. Heißt im Klartext: Insgesamt 21 kleine, italienische Geschmacksexplosionen.
Wenn ich Ihnen jetzt jede dieser unverschämt leckeren kleinen Schweinereien beschreiben würde, säßen wir beide noch morgen hier. Und Sie würden überall das Gleiche lesen: Fantastisch! Deswegen lassen Sie es mich kurz machen und reservieren Sie einfach ganz, ganz schnell einen Tisch dort. Wenn Sie das nämlich verpassen, dann verpassen Sie vielleicht den kulinarischen Abend dieses Jahres. Angefangen vom Brot über die virtuos kreierten und optisch wunderschönen einzelnen Komponenten der Vorspeise über den Fisch- und den Fleischgang bis zum Dessert – alles, aber auch wirklich alles ist einfach nur ein Traum!
Wenn ich mir ein paar Sachen raus picken soll, die es mir besonders angetan haben – es fällt mir schwer. Vielleicht das Kaninchenrisotto. Oder der fantastische geschmorte Aal. Der Kalbsbraten mit Fenchel… Das Sorbet… Oh Mann… Der Sabine ging’s genauso. Die hat ständig so komische Geräusche gemacht, als sei ihr neuer Freund schon da, der uns abholen wollte…
Die Weine dazu und der perfekte Service, der sogar am Ende zu jedem Käse eine Geschichte erzählen kann… Und das alles für 78 Euro. Ohne Worte. Hin!

13. März 2012, fiene

8. Test: Altes Fischerhaus

Das Menu:

Aufgeschlagene Büffelbutter aus Saviagno mit Moldon Seasalt
Kräuterfrischkäse von Sauerländer Kühen
Drei Sorten Brot

Perlhuhn-Guacamole und Forellenkaviar im Knuspercornet

Vitello tonnato „falsch herum“:
Sashimi vom Gelbflossen-Thunfisch mit Kalbsbriescreme

Gänseleberpraline mit Charentais-Melone
Gänselebereis auf Schnittlauchbaumkuchen

Düsseldorf/Delhi: Langostino-Velouté mit ABB-Senf
Langostino-Cappuccino mit indischen Gewürzen

Geeiste Seeluft

Sous Vide gegarter Tafelspitz vom Nebraskarind
Brunnenkresse-Meerrettich-Air
Haselnuss-Graupenrisotto

Auswahl von süßen Köstlichkeiten aus der Sterneküche
oder
Variation französischer Käse vom Affineur Waltmann aus Erlangen

EUR 49,00

Die Kritik:

Haben Sie das Menu gelesen? Und jetzt denken Sie vielleicht, wenn Sie das ‘Alte Fischerhaus’ in Urdenbach nicht kennen: “Ich dachte, da gibt’s Fisch und fertig! Das klingt aber verdächtig nach Sterneküche!” Stimmt ja beides. Wie geht das zusammen? Ok. Kurze Vorgeschichte: Hier an der wunderschönen Stelle am Rhein kocht Markus Schulte. Und der kocht super - das habe ich schon einmal getestet. Er hat sich jetzt seinen alten Azubi Daniel Dal-Ben geschnappt, um eben genau dieses Menu zu kreieren. Und der Azubi ist kein Geringerer als der Chefkoch im ‘Tafelspitz’. Und: Er hat einen Stern! Die beiden also im Duett am Herd. Da kann eingentlich nichts schief gehen.

Acht Gänge erwarten mich und meinen besten Kumpel. Geht los mit “Aufgeschlagener Büffelbutter aus Saviagno mit Moldon Seasalt, Kräuterfrischkäse von Sauerländer Kühen und drei Sorten Brot”. Dazu gibt es kräftiges oder wahlweise süßlicheres Olivenöl. Der perfekte Einstieg. Ich muss aufpassen, dass ich mich nicht komplett mit dem fantastischen Brot voll esse. Die Büffelbutter ist grandios! Dazu schlürfen wir einen prickelnden Riesling-Sekt. Der Service ist hier ganz schön auf Zack.
Da kommt nämlich schon: “Perlhuhn-Guacamole und Forellenkaviar im Knuspercornet”. Die kleinen Hörnchen stecken im Mohnbett, damit sie nicht umfallen. Mein Freund findet das eher unspannend. Kann ich jetzt nachvollziehen, weil der nächste Gang im Vergleich dazu absolut großartig ist. Nummer 3: Vitello tonnato „falsch herum“.
Na, da grübeln Sie jetzt mal… Ach blöd, Sie haben es ja schon gelesen: “Sashimi vom Gelbflossen-Thunfisch mit Kalbsbriescreme”. Ist nicht nur eine absolut kreative Idee, auch geschmacklich super. Kommt auf einem Löffel daher, den ich mir komplett in den Mund schiebe. Mein Kumpel hat noch die Hälfte drauf, also frage ich (in der Hoffnung, dass er mir den Löffel rüber schiebt): “Magst du das nicht?” - Er: “Nee, ich will es nur genießen, damit es nicht so schnell weg ist.” Recht hat er… Ich konnte mich aber nicht zurückhalten… Das ‘Falsch Herume’ weckt so richtig die Vorfreude auf den nächsten Gang. Ok, über Gänseleber kann man streiten, aber wie sagte ein bekannter Koch: “Wenn die Leute wüssten, was so alles mit Puten und Co. angestellt wird - das ist manchmal noch viel schlimmer als das mit den Gänsen!”
Ich will darüber nicht urteilen. Ich hab’s gegessen: “Gänseleberpraline mit Charentais-Melone und Gänselebereis auf Schnittlauchbaumkuchen”. Und ich kann Ihnen sagen: Das war (leider) ganz, ganz geil!!! Allein das Gänselebereis! Klingt vielleicht im ersten Moment seltsam, ist aber unfassbar gut! Mehr, mehr, mehr! Ach so, dazu gibt es übrigens ganz wunderbare Weine, die das Menu begleiten. Wärmstens zu empfehlen.
Der nächste Gang kostet mich zwei Flaschen Bier. Habe ich an meinen Kumpel verloren. Er hat gewettet, dass “Langostino-Velouté mit ABB-Senf und Langostino-Cappuccino mit indischen Gewürzen” in einer kleinen Tasse auf den Tisch kommt. Aber, hey, Moment! Erstens habe ich gar nicht mitgewettet. Zweitens kam nur das eine Langostino-”Süppchen” in der Tasse und das andere im Schnappsglas. Tss. Da müssen wir nochmal drüber reden. Wie dem auch sei: Beides sehr lecker. Wenn ich mich entscheiden müsste, gewinnt der Cappuccino.
Jetzt werden wir runter gekühlt. Mit der “Geeisten Seeluft”. Dahinter verbirgt sich ein Blaubeersorbet. Volle Frucht. Voller Saft. Passt!
Ich darf Ihnen nun das absolute Highlight ankündigen. Der Hauptgang: “Sous Vide gegarter Tafelspitz vom Nebraskarind, Brunnenkresse-Meerrettich-Air und Haselnuss-Graupenrisotto”. Mein lieber Mann. Da verneige ich mich. Das Fleisch - dafür habe ich keine Worte. Wurde das wirklich in einen Vakuumbeutel eingeschweißt und dann bei stabiler Wassertemperatur ganz schonend gegart? Moment, der liebe Servicemann hat ja gerade was von 56 Grad gesagt. Oder waren es 65? Ich hab’s nicht so mit Zahlen. Ist aber eigentlich auch egal. Das wurde ganz behutsam, mit großem Respekt und viel Liebe zubereitet. Und es ist einfach nur der Hammer! Übrigens auch das Risotto. Ich bin ein Fan! Mein Freund auch. Hat ganz große Augen und schüttelt den Kopf. Ja, ich kann auch kaum glauben, wie gut das ist.
Dann noch die Qual der Wahl: Käse oder Süß? Wir nehmen beide die “Auswahl von süßen Köstlichkeiten aus der Sterneküche”. Lassen Sie sich überraschen. Ein Geschenk des Himmels.
Fazit: Daumen hoch! Acht wirklich wunderbare Gänge. Das ist richtig dicke Hose hier. Und das Unfassbare: 49 Euro! Das ist ein Witz. Für mich die absoluten Highlights: Das ‘falsche’ Vitello tonnato, der Gänselebergang und der umwerfende Tafelspitz. Das waren wirklich Sternstunden!

9. März 2012, fiene

7. Test: La Galleria

Das Menu:

Gegrillte Ananas mit Riesengarnelen und Cognac-Senfsauce

Kaminfleisch vom Hirschkalb an Trüffelsauce mit Pilzen

Lasagnette mit grünem und weißem Spargel auf Parmesan-Zabaglione

Kalbsfilet in Kräuterkruste mit Spinat-Fenchel-Drillingen

Orangen-Karamell auf Vanillespiegel

EUR 35,00

Die Kritik:

Da sind wir. Mitten auf der Kaiserstraße. Klein-Italien zur linken, Brautmoden zur rechten Seite. Wir entscheiden uns dann doch für die linke Seite. Im Gepäck: Schon wieder meine Mama und Freundin Andrea. Wir sind also zu dritt. Premiere. Drei Meinungen, ein Restaurant. Kleine Randnotiz: Meine Mutter hat Geburtstag. Runden Geburtstag, möchte diese Info aber am liebsten für sich behalten. Sorry, Mama. Aber jetzt guck mich nicht so böse an und geh rein in „La Galleria“. Gemütlich, der Laden. Die Wände in Terracotta. Finden wir das gut? Ach ja. Strahlt Wärme aus.
Zum Auftakt ein kulinarischer Gruß aus der Küche. Wir grüßen zurück: “Guten Abend, du kleines leckeres mit Lachs gefülltes Ding.” Nach dem halben Gruß ist Freundin Andrea satt. Bitte? Was geht? Zu einem 5-Gang-Menu erscheint man bitte hungrig! Da muss sie jetzt durch. Bin doch nicht bescheuert und nehme allein fünf Kilo zu. (Sehr lieb übrigens, Mama, dass Du mich darauf aufmerksam gemacht hast, dass ich auch schon mal weniger gewogen habe!)
Der erste Gang wird serviert. Es gibt „Gegrillte Ananas mit nettem Grillmuster und Riesengarnelen mit Cognac-Senfsauce“. Die Aufgabe: diese Riesengarnelen möglichst gekonnt aus den drapierten Schalen zu ziehen. Am Stück. Das klappt bei mir ab der 2. auch schon ganz gut. Muttern grinst blöd - sie hat sofort geschnallt, wie es geht. Schmeckt super. Dieses Grillaroma mit der Süße, Säure und Frische der Ananas. Passt richtig gut zur Garnele. Freundin Andrea ist ein Saucen-Freak. Und bei der hier macht sie große Augen. Kein Tropfen mehr auf dem Teller. Wohl doch noch Appetit, was? Trotzdem bestellt sie jetzt kleinere Portionen.
Es folgt „Kaminfleisch vom Hirschkalb“. Aus dem eigenen Kamin, (nachbarschafts)-schonend im eigens entwickelten Verfahren kaminiert. Optisch als Carpaccio getarnt und in Begleitung von Trüffelsauce (ganz herrliche Tropfen, die das Fleisch da so sprenkeln) und gemischten Pilzen. Auch hier: Super!  Und eine eigentlich satte Andrea schafft es wieder, den Teller bis zum letzten Tröpfchen aufzukratzen. Der Service ist übrigens ganz bezaubernd. Ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.
Der dritte Gang verspricht eine „Lasagnette mit grünem und weißem Spargel auf Parmesan-Zabaglione“. Eine Art dünner Pfannkuchen umschließt die leckere Füllung. Wäre ich Vegetarier, würde ich unbedingt wissen wollen, wie man das zubereitet. Jetzt sofort. Lecker ist das, da ist Liebe drin. Das schmeckt man.
Für den letzten Schliff sorgt der junge Mann mit der Pfeffermühle. Kellner links, Pfeffer über links, Kellner rechts, Parmesan über rechts. Der - wie meine Mutter sagt „unheimlich höfliche, nette, junge Mann“ hat seinen Pfeffer tatsächlich in unser Herz gestreut. Wir sind verliebt. Und der gute Wein tut sein Übriges…
Jetzt bitte erst mal eine Pause.

–Pause–

Es folgt Gang Nummer 4. „Kalbsfilet in Kräuterkruste mit Spinat-Fenchel-Drillingen“. Klingt einfach. Ist es auch. Und das ist wohl auch das Geheimnis des Ganzen. Egal, was Sie machen: Alles auf dem Teller einzeln essen oder in Kombination - es schmeckt immer wieder aufregend. Das Filet perfekt gebraten. Die Drillinge so einfach uns sooo gut. Mein Favorit: Der Fenchel! Was soll ich sagen? Die Teller sind leer und so langsam kommt bei Freundin Andrea leicht gereizter Protest auf: “Wer hat eigentlich gesagt, dass wir etwas kleinere Portionen wollen?” Selbst schuld…
Der süße Abschluss: „Orangen-Karamell auf Vanillespiegel“. Das ist ein Kracher. Es sind nämlich kandierte Kumquats dabei. Gibt dem Ganzen noch so eine fruchtig-herbe Note. Obwohl ich da eigentlich nicht so unbedingt drauf abfahre, finde ich das in diesem Moment perfekt. Macht nämlich wieder wach! Diese Kombi tritt einem in den Hintern! Super. - Mittlerweile hat auch der Chef mitbekommen, dass meine Mutter Geburtstag hat. Und weil la mamma natürlich die Beste ist, gibt es kurzerhand noch eine Überraschung. „Jetzt bitte nicht noch eine Eisbombe!“, denke ich. Ein schwarzer Kasten…  Puh, ein Akkordeon. Und der Chef haut in die Tasten:  „O sole mio!“ (Nein, nicht kitschig!!!) Meine Mutter bekommt feuchte Augen und schwelgt in Erinnerungen. Alassio in den 80er Jahren… Dann strahlt sie und sagt: “Ach wissen Sie… Italien war schon immer mein Land! Und das Essen!!!” Mille grazie dafür!
Fazit: „La Galleria“ ist ein Stück liebevolles, sehr, sehr leckeres und gut etabliertes Italien mitten auf der Kaiserstraße. Das war großes Kino für nur 35 Euro pro Person. Wir kommen wieder. Und dann will meine Mama auch wieder mit. Für heute ist aber Feierabend und so geht’s raus zur Bahn. - Die Schaufenster-Puppe in dem Brautmodenladen gegenüber, die hat mir gerade zugezwinkert. Nein, ich will den Koch trotzdem nicht heiraten. Mama überlegt noch…

9. März 2012, fiene